JEPP!

JEPP! in Paris: „Enjoy Crisis!“

Vom 25. bis 26. April nahm die PROJEKTFABRIK mit JobAct® Europe an einem zweitägigen Workshop des französischen Partners CUTS.SOLUTIONS mit insgesamt 14 Teilnehmenden aus unterschiedlichen Disziplinen teil. Lest hier den Erlebnisbericht von Beáta Nagy.

1. Tag, Montag:

Der Raum war, wie gewöhnlich mit Tischen und Stühlen bestückt, die übliche Tagungseinrichtung. Kurz nach Ankommen haben wir sofort die Tische in eine Ecke geschoben und unsere Plakate an die Wände gehangen, um freie Fläche zu haben und einen ersten Eindruck unserer künstlerischen Arbeit vermitteln zu können.

Die Räumlichkeiten der Telefongesellschaft Orange standen zur Verfügung, da eine Mitarbeiterin der Telefongesellschaft als Personalleiterin sehr am Thema interessiert war, wie arbeitslose und beeinträchtigte Menschen (wieder) in Arbeit integriert werden können. Wir wurden sehr herzlich empfangen.
Trotzdem waren wir ein außergewöhnliche bunte Gruppe in dieser insgesamt doch eher traurigen Umgebung. Das Gebäude lag mitten in der Peripherie, am Stadtrand in einer trostlosen Gegend.
Die ersten Übungen, egal wie vorsichtig und sensibel Hans-Ulrich Ender von der Schule von Kunst, Kommunikation und Wirtschaftsgestaltung sie einleitete, blieben für die Anwesenden stets ungewöhnlich und nur langsam konnten sie sich in die Übungen einfinden. Dennoch brach das Eis relativ schnell.

Franziska Wagner aus dem Bereich Projektentwicklung stellte die Arbeit der Projektfabrik vor, während Ursula Teubert, Gründerin von CUTS.SOLUTIONS übersetzte.

Nach der gemeinsamen Mittagspause und einer Rhythmusübung zum Wiedereinstieg in die Thematik, brachte Hans-Ulrich Ender den Workshop-Teilnehmenden die Kunst als Bildungsprinzip nahe.

Gedankenfetzen schweben durch den Raum: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!- Aristoteles. Midwife of the human being. Thinking – Intelligenz ist sicher. Ist es möglich soziale Kunst zu schaffen? Kunst in der Wirtschaft, Kunst im Sozialen. Schlüsselkompetenzen? Vitalisierend? Im Sozialen Therapie? Man vermeidet die Krise. Political correctness. In der Kunst sucht man die Krise. Die Frage der Individualität. Ist es möglich aus dem Ausgangspunkt der Individualität heraus eine Gesellschaft zu bilden?...“

Am Nachmittag und damit ungewöhnlich im Ablauf, stellen sich die Workshop-Teilnehmden vor:

Thierry Gary: Er arbeitet mit so genannten „Eremisten“, ein Begriff für Jugendliche mit multiplen Hemmnissen. Leitet die Theatercompagnie ACTA. Arbeitet mit Agnes Desfosses in Villiers le Bel.

Samuel Mallangeau: Sozialarbeiter. Ehrenamtlicher bei Festivals, bei denen er die Chance sieht, dass etwas Kollektives entstehen kann. Arbeitete in Verdun.
Gemeinsam mit Thierry Gary hat er Fortbildungsmodule als Trainingsprogramm in der Pariser Peripherie ausgearbeitet. Er war u.a. Koordinator einer Wohngruppe für mittellose Jugendliche, Studenten, Arbeiter etc. Er sucht etwas „zwischen den Menschen und den Institutionen“.

Frederic Combe: Familientherapeut. Schauspieler. Eventbereich. Tanz. Regie. Theater. Zirkus. Er begleitet Gesamtprojekte und bildet Sozialarbeiter aus. U.a. hat er ein Projekt mit Menschen mit geistiger Behinderung entwickelt: „Wie kann man besser zusammen leben?“

Marcia Lacombe: Journalistin. Hat in Italien gearbeitet. Ihre Schwerpunkte sind junge Menschen mit Migrationshintergrund und Soziale Arbeit. Hier möchte sie Partnerschaften aufbauen.

Alexandre Padilha: Schauspieler aus Brasilien. Le Coq-Schule. Tanz, Film, Companie physical theatre. Künstlerstatus. Gefängnisarbeit noch in Brasilien. Diverse Schultheater.

Fatiha Osmani: 20 Jahre nachhaltige Entwicklung war ihr Thema. Sie will verschiedene Bereiche zusammenbringen. Mediation. Innovation. Mit Menschen zusammen arbeiten. Ökotourismus. Brücken bilden. Gewaltfreie Kommunikation. Humanistische Mediation. Wie kann man es hinbekommen, dass das Leben Sinn macht und es trägt?

Maylis de Clercq: Arbeitete bis vor Kurzem als Headhunter und sucht was Neues. Soziales? Kinder? Jugendliche? A.P.A. Verein für Freundschaft: Der Alltag wird geteilt. Menschliche Würde bewahren. Appartements werden mit Obdachlosen und Geflüchteten geteilt. 10-15 Wohnungen in Paris.

Ursula Teubert: Musikerin, Klavierspielerin. Vermittelte Konzentrationsübungen, um eine emotionale Blase zu bilden. Hat Maschinenbau studiert. Ein Segelflugzeug gebaut. Verbrennungsmotoren. Momentan organisiert sie Audiokonferenzen. INCEAT Künstler-Ingenieur, wie bringt man das zusammen? Brainhasting.

Anne Commas: Schauspielerin, Sängerin. Workshop für Arbeitslosen gegeben. Arbeitet mit Thierry zusammen. Workshop auch für Lehrer. Zu zweit kann man besser die arbeitslosen mitzunehmen. Freischaffend. Compagnie ACTA Ville de Belle.

Estel Fakat: Freischaffend. Begleitet als Vereinsurheberin Menschen, die arbeitslos sind und hilft ihnen eine Firma zu gründen. Erste Städte und Kommunen interessieren sich für ihre Arbeit. Schwerpunkte: Jugend- und Frauenarbeitslosigkeit.

2. Tag, Dienstag: „Enjoy crisis!“

Die Übungen des zweiten Tages sind jedes Mal sehr erfolgreich. Erst arbeiteten wir stark physisch mit zu „Gewicht und Balance“. Diese Übungen sind körperlich so intensiv, dass kaum Raum bleibt nachzudenken. Danach gehen wir direkt in die Übungen über Ziellosigkeit, Depression und Nervosität. Die Übungen funktionieren immer. Der Abschluss mit Faust war diesmal auch sehr gelungen, die Teilnehmenden haben sofort verstanden, worum es geht und die Szenen waren sehr spannend und intensiv.

Vor dem Mittagessen haben die Anwesenden zusammengetragen, wie die Arbeitslosenunterstützung in Frankreich funktioniert. Stichpunkte: Rentenalter 62. Unbefristete Arbeitsverträge sind sehr steif, weshalb kleine Firmen nicht ein stellen. Die Arbeitsrechte fesseln beide Seiten, sowohl Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber, unbefristete Stellen sind für beide Seiten nicht zufriedenstellend. Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach der Dauer des Anstellungsverhältnisses, maximal jedoch zwei Jahre. Alles ist verhandelbar, wird immer neu verhandelt und verlängert. Der Staat begleitet die Leute. Garantie Jeunnesse. Nach Arbeitslosengeld gibt es Sozialgeld. Das Arbeitslosensystem und die Sozialhilfe wurden fusioniert. Je nach Region bestehen große Unterschiede. Es gibt Projekte für Jugendliche, wobei sie 500 Euro kriegen, aber dafür müssen sie im Projekt sein und „irgendwas“ dafür tun. Die Landesregierung finanziert diese Projekte. Öffentliche Ausschreibungen. Da kann man sich bewerben, aber das Bewerbungsverfahren ist sehr kompliziert.
Stiftung: Fondation de France ist eine Stiftung für Projekte mit Arbeitslosen.

Nach dem Mittagessen haben wir gemeinsam darüber gesprochen, wie JobAct® in Frankreich möglich sein könnte. Alle wollen gerne Teil des Netzwerkes werden.
Wir sorgen für Mittel, für den Support, für das Netzwerk. Wir geben die Idee. Vor Ort sorgt man für die Projektgelder und für die Durchführung, um einen Piloten umzusetzen. Dauer und örtlich umzusetzendes Konzept könnten sehr unterschiedlich sein. Die Gruppe hat sich für den darauf folgenden Montag verabredet, um über einen möglichen Piloten JobAct® in Frankreich gemeinsam nachzudenken.

Wegen eines für Frankreich nicht ungewöhnlichen Streiks haben wir uns rechtzeitig Richtung Flughafen aufgemacht.
Au revoir, Paris!


Advocate Europe Workshop in Madrid

Vom 14. bis 15. April nahm die PROJEKTFABRIK mit JobAct® Europe an einem zweitägigen Advocate Europe-Workshop mit insgesamt 32 Teilnehmenden aus ganz Spanien, von Andalusien bis San Sebastian, teil.

Die Veranstaltung wurde unterstützt durch Ashoka Spanien und dem spanischen Kooperationspartner der PROJEKTFABRIK, der Santa Maria de Real, die auch die Teilnehmenden eingeladen, sowie kostenfreie Seminarräume organisiert haben. Erst vor Kurzem erhielt die Organisation Santa Maria de Real einen hochdotierten Zuschlag für ein dreijähriges ESF-Projekt bekommen und verfügt über die entsprechende Projektmanagementkompetenz.

Die Hälfte der Workshop-Teilnehmenden kam aus dem Bildungsbereich, die andere aus der Theaterarbeit. Eine sehr interessierte Gruppe und nach der einstündigen Theaterarbeit war das Eis gebrochen. Es wurde intensiv zusammen gearbeitet und die PROJEKTFABRIK bekam die Gelegenheit, das JobAct®-Bildungsprinzip vorzustellen.

Sowohl das Interesse am PROJEKTFABRIK-Ansatz, als auch der Bedarf nach einer solchen Lösung sind in Spanien groß. Die Idee der "Social Art" ist auf große Resonanz und viel Verständnis gestoßen. Der Ansatz ist in Spanien unbekannt, bzw. steckt in den Kinderschuhen.

Die örtliche Theaterszene führt spannende Projekte durch, von Arbeit in Gefängnissen, über das Thema Transsexualität bis hin zu Projekten mit Wohnungslosen. Alles hauptsächlich ehrenamtlich, ohne Bezahlung, aber mit unbezahlbarem und anhaltendem Engagement. Alle sind Einzelkämpfer, einander nicht bekannt und nicht vernetzt.

Die spanischen Kollegen aus dem Bildungsbereich hingegen (z.B. ein Vertreter des Roten Kreuzes) machen quasi klassische Sozialarbeit mit Profiling, Training und „job placement“.

JobAct® wurde von allen als verbindendes Element begrüßt und mit regelrechter Hochachtung betrachtet. Alle Workshop-Teilnehmenden signalisierten ihr Interesse, sich über JobAct® zu vernetzen, im ersten Schritt gar nicht unbedingt auf einer europäischen Ebene, sondern zunächst als neue Bewegung in und für Spanien. Beispielsweise möchte eine spanische Theaterschule mit ihren Schauspielstudierenden am Sommerworkshop im Juli teilnehmen. JobAct® in Spanien wird Schritt für Schritt immer greifbarer.

JobAct European Partner Program!

Bilder vom Besuch in Florenz:

JEPP! widmet sich der Jugendarbeitslosigkeit und der Förderung von Kompetenzen durch Ansätze der Theaterpädagogik, Sozialarbeit, Biografie Arbeit und Karriereplanung in einem innovativen Format.

Ziel ist die Befähigung und Stärkung jeder und jedes Einzelnen, um mit den aktuellen und komplexen Anforderungen der Arbeitslosigkeit und der Krise in Europa umzugehen.

Vai a teatro trovi un lavoro

La rete che aiuta I disoccupati • Übersetzt: “Geh ins Theater und finde einen Job – Das Netzwerk zur Unterstützung von Arbeitslosen“ • Ein Artikel in der großen italienischen Zeitung 'Corriere della Sera' über unser Projekt 'Advocate Europe'.

Hier können Sie den Artikel als PDF herunterladen.

Förderung

"JEPP!" wird gefördert von Advocate Europe.

The project "JEPP!" is part of Advocate Europe, the European idea challenge by MitOst in cooperation with Liquid Democracy, funded by Stiftung Mercator.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Kooperationspartner

Unser Partner in Italien ist Vivaio per l'Intraprendenza aus Florenz, die eine umfassende Erfahrung in der Förderung von Start-Ups und Unternehmensgründungen haben.  

www.vivaiointraprendenza.it